Eisenbahn-Romantik dreht im Fichtelgebirge

In der vergangenen Woche war ich mit dem Drehteam von "Eisenbahn-Romantik" unterwegs, um die Spuren der Fichtelgebirgsbahnen zu suchen. Hier ein Auszug aus dem Pressetext:

Vor 46 Jahren, am 25. September 1971, schnaufte zum letzten Mal ein Zug auf den in die Jahre gekommenen Gleisen zwischen Münchberg und Zell, wobei viele Bewohner der Waldsteingemeinden diese Gelegenheit nutzten, um sich gebührend von „ihrem Bockela“ zu verabschieden. Dieser Umstand erklärt, warum bei den vom MEC Hof organisierten Fahrten knapp 2000 Personen mit dem dampfbespannten Sonderzug hin- und hergondelten, von denen vielen vermutlich erst beim Ausstieg bewusstgeworden ist, dass damit auch ein Stück Heimatgeschichte unwiederbringlich verloren würde. Kurze Zeit später wurden die Gleise brachial aus dem Boden gerissen, mancher Bahnhof dem Erdboden gleichgemacht und damit die Erinnerung an den „Waldsteinexpress“, wie die Strecke im Volksmund hieß, mehr und mehr getilgt. Dabei stellte die Eisenbahn zum Beginn des 20. Jahrhunderts den Auslöser für das Umgreifen der Industrialisierung im Münchberger Land dar – galt, vielmehr noch, gar als Voraussetzung für den Einsatz der modernen Maschinen, die die Region schließlich an die Spitze der Textilproduktion katapultierten, wo sie aller Krisen zum Trotz bis heute steht: Immerhin bot die Ludwig-Süd-Nord-Bahn seit 1848 nicht allein Zugang zu den dringend benötigten Kohlevorkommen in Böhmen, sondern erweiterte durch immer besser ausgebaute Transportmöglichkeiten auch den Absatzmarkt für die heimischen Produkte. Kein Wunder also, dass man schon bald damit begann, von Münchberg aus die ländliche Peripherie mit Stichbahnen zu erschließen, um auch dort die Wirtschafts- wie Gesellschaftsstruktur entscheidend zu verändern.

Vom langen Kampf, den die Gemeinden rund um den Waldstein damals um ihre Bahn führten (alles in allem dauerte es knapp 10 Jahre, ehe die Trasse Aufnahme in das bayerische Lokalbahngesetz fand), zeugen heute, beinahe ein halbes Jahrhundert nach der letzten Fahrt, nur noch wenige zugewachsene Relikte. Sie aufzuspüren war das Ziel eines Filmteams der SWR-Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“, deren Redakteurin, Susanne Mayer-Hagmann, durch einen Brief auf die bewegte Geschichte der Heimat aufmerksam geworden ist. Autor der Zeilen war der Zeller Historiker Adrian Roßner. „Ich bin selbst seit 23 Jahren ein großer Fan der Sendung und nachdem ich gesehen hatte, dass die Teams sich auch immer wieder auf die Suche nach längst abgebauten Lokalbahnen begeben, habe ich vor zwei Jahren ein paar Informationen zusammengestellt und sie an die Redaktion gesandt. Innerhalb kurzer Zeit habe ich eine Antwort darauf erhalten und nachdem man den Drehplan für das Jahr 2017 zusammengestellt hatte, rief mich Frau Mayer-Hagmann an und klärte den knapp einwöchigen Besuch ab.“ Seit Montag ist das Team seither auf Spurensuche durch das Fichtelgebirge unterwegs; in einer Landschaft, die einschneidend von der Eisenbahn geprägt worden ist und in der dennoch recht wenig an die Pionierzeit der Industrie erinnert. Genau diese Entwicklung ist es jedoch, die „Eisenbahn-Romantik“ in der knapp 30minütigen Sendung nachzeichnen möchte, wobei man sich neben der Trasse Münchberg-Zell auch die ehemalige Strecke Falls-Gefrees und die Verbindung Bayreuth-Weidenberg als Beispiel für den unterschiedlichen Umgang mit der Verkehrsgeschichte herausgenommen hat. Denn wenngleich auf Letztgenannter zwischenzeitlich wieder regelmäßig Züge verkehren, schlummern die beiden anderen Strecken noch immer im Dornröschenschlaf, während ihre letzten verbliebenen Bauwerke zusehends verfallen.

 

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